Mittwoch, 10. August 2016

So geht es nicht - jedenfalls nicht "so"!

Unsere Veränderung


Es gibt Veränderungen, die sind nicht mehr rückgängig machbar. Die überschreiten einen point-of-no-return. Eine Veränderung enthält, dass sich sämtliche Verhältnisse zueinander verändern, ob die "Anderen" das wollen oder nicht, mögen oder nicht, verstehen oder nicht, nachvollziehen oder nicht. Das Systemische ändert sich, wie wenn ich an einem Mobile an einem Ende anstubbse.

Meine Partnerin, namhafte Unternehmerin, und ich fanden uns per Zufall. Es gab keine Planung, kein langsames 'Anschleichen', kaum ein Kennenlernen. Wir hatten ein Gespräch und dann waren wir zusammen. Wir wohnen und leben zusammen und lieben uns seither.

Was war bzw. was ist? Unabhängig, und noch in Unkenntnis voneinander, hatte sich jeder von uns für eine wertschätzende Haltung im Sinne der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) entschieden. Das wussten wir natürlich nicht, spürten es aber vom ersten Moment der Begegnung an und fanden unser Zusammenkommen ohne viele Worte. Es war nicht, wie üblich, "Hengst & Stute", Macho & Girl", "Ich-Tarzan-Du-Jane". Nein, was einfach war, war unsere veränderte Haltung einem anderen Menschen gegenüber und die ist uns noch heute alle Lebenszeit wert. Wir schätzen uns sehr, das macht es uns aus.

Was soll das sein, eine 'veränderte Haltung gegenüber anderen Menschen'?

  • Wir wenden uns dem anderen zu, als dass wir uns in ins Zentrum drängeln (Zentrierung)
  • Wir hören zu
  • Wir versuchen zu verstehen
  • Wir denken mit
  • Wir fühlen mit
  • Wir lassen beide Seiten gelten und betrachten das Ganze
  • Wir bewerten sehr ungern oder lieber nicht
  • Wir warten
  • Wir fragen - und dann fragen wir nochmals
  • Wir fühlen sehr mit, manchmal zu sehr
  • Wir tragen Sorge zum anderen
  • Wir nehmen Rücksicht
Wir sind jetzt keine GFK-Cracks und wir sind auch nicht wirklich gut im Wording oder in vertiefenden Übungen - aber was wir verändert haben, dass sind unsere Werte und Haltung, als würde man oben bei einer Marktwaage die Gewichte so lange von links nach rechts und umgekehrt schieben, bis man die gewichtsgerechte Mitte gefunden hat. Das leben wir. Und ja, wir sind nicht gewaltfrei oder sonst wie Puristen. Aber dennoch sind wir in unserer Selbstverantwortung und haben eine bewusste Achtsamkeit. Das schliesst die Sorgfalt für das Andere mit ein.

Diese veränderte Haltung, was immer anders sein mag, möchten wir mit 50+ leben. Da ist für uns enorm viel schöne Zeit und viele gute Gefühle drin. Ein grosser Gewinn.


Was bedeutet das aber für Menschen, die mit uns in Kontakt stehen? 


Für andere Menschen bedeutet das eine Konsequenz: Wenn ihr euch nicht ansatzmässig in selbe Haltung und Bereitschaft begebt, mögen wir in diesem Verhältnis nicht in Kontakt stehen - kurz gesagt: Wir lassen von Menschen nach mehrmaligem Prüfen ab, wenn von denen nicht eine ähnliche Bereitschaft für das Miteinander signalisiert und mitgetragen wird.

Können - oder wollen -  andere Menschen nicht zuhören, nicht verstehen mögen, nicht warten, nicht einfühlen und Hintergründe sammeln ...

Können - oder wollen - andere Menschen nur ihren Sermon plappern, nur Dampfplaudern, nur sich selber hervortun oder nur für sich selber besorgt sein, agieren sie einzig selbstbezogen und nutzniesserisch, bewertend, als Ausdruck von "Kraft-meines-Amtes" etc. ... 

... dann werden diese mit uns nicht mehr weiter in Kontakt gelangen. Ende Kommunikation, Ende Kontakt, Ende "Partnerschaft" (die keine ist, wenn "so"). Sie wirken dann erzieherisch und tun so, als müssten wir uns dem anerzogenen Verständnis von Fremdverantwortung per Zuckerbrot und Peitsche wie Kinder 'brav' unterstellen. 


Wie soll das auf verschiedene Kontakte verstanden werden?


Am schwierigsten ist bestimmt nahe Verwandtschaft. Mit diesen Menschen ist man familiär verbunden, es ist das eigene Blut. Vermutlich bestehen da die meisten Kompromisse, ob gegenüber eigenen Elternteilen oder den Geschwistern. Oft ist das Resultat heute dieses, dass wir uns zwar nicht mehr zu sehr aufregen, aber wir gehen, wir verabschieden uns frühzeitig und verlassen den Ort der Begegnung. Kurz: Wir achten uns auf unsere Selbstverantwortung und schauen, dass es uns gut geht, und können wir die Situation nicht ändern, na dann gehen wir eben. Wir quatschen auch nicht noch lange über immer wiederkehrende Bemerkungen oder Abwertungen, sondern nehmen an, was ist, sehen uns aber nicht in der Pflicht und sind dann mal weg. Danke.

Einfacher wird es, je distanzierter man im Kontakt zu jemandem steht. Wir haben ein hochsensitives Gespür dafür, beide, ob uns jemand gut tut oder ob das Verhältnis aus der Balance gerät, und ob jemand immer mehr vom Ping-Pong-Tisch an sich reisst. Egal wer, ob Dienstleister, Berufsleute, Beamte, Gutmeinende, Profiteure, Gastronomen, Werkstätten, Vermieter, Nachbarn, Freunde & "Freunde" ... wer immer das sein könnte.

Glücklicherweise darf an dieser Stelle ausdrücklich gesagt sein, dass wir viel mehr faire und schöne Verhältnisse erleben, wo wir gerne im Kontakt stehen, wo es sich gut anfühlt, wo es Chancen gibt, auch mal was zu klären. Wunderbar und wie gesagt, wir leben gut und fröhlich. Und wir sind achtsam, auch für andere angenehme Menschen zu sein. Beides zusammen ergibt neue und herzliche Kontakte und schenkt viel Vertrauen.

Wo es aber nicht mehr geht, ist in Kontakten wie z.B. aus irgendwelchem Management, wo jemand meint, aus irgend einem Grund "über-uns-zu-stehen" und entsprechend mit uns seine Kommunikation verbreitet. Das können CEOs sein, Marketinmanager, Standortberater oder Fach-Coaches. Berufsleute, die keine Lösung suchen, sondern mit einer Art gewaschenem Gehirn (brainwashed) antreten und meine, uns sagen zu können, wo es lang gehen würde und was denn das Beste wäre. Da ist fertig.

Wir haben solche wörtlichen 'Blind-Gänger' um uns herum. Sie treten ungefragt an, sind miese vorbereitet, bestenfalls mit dem eigenen unreflektierten Gedankengut, und drauflosredend, als hätten sie unsere Situation mit Löffeln gefressen. Seit längster Zeit haben die aber keine Fragen mehr gestellt, sich nicht erkundigt - weder persönlich noch in der Sache, sich nicht die Situation angeschaut, kennen keine Vergleichsgrössen und andere Betrachtungsparameter, z.B. lokale, schon gar nicht.

Eine Veränderung, hier im Blog für Zwischenmenschliche Kommunikation, ist eine Veränderung. Als würde ich ein Zahnrad um 90 Grad drehen - nix ist mehr an der alten Stelle und eingekeilte Zähne haben andere Bereiche des eigenen systemischen Umfeldes mitgedreht. Und wenn einem das im reifen Alter wie ein Verdienst, ein Gewinn und eine späte Lebensfreude erscheint, ist man schlicht zu "Alt" und zu Unabhängig, um sich von Businesskasper und Empathie-armen Wesen noch etwas sagen zu lassen. Das ist kein Miteinander, das ist schon gar keine Partnerschaft und noch viel weniger ergibt diese blöde alte "Macht-Droh-von-oben-Herab-Kommunikation-der-Bewertungen-und-Du-Botschaften" irgend einen Sinn, der uns an diese alte, aus der Zeit gefallene Position zurückbringen würde. Nein, wir gehorchen nicht, weil das kein Gehorchen wäre, sondern ein Ducken. Und nein, wir ducken uns nicht.

Für stehen für unsere Veränderung. Was Sie tun, können wir nicht wissen. Gerne fragen wir immer wieder mal nach, ob Sie sich verändert haben. Gerne bieten wir Ihnen immer und immer wieder die Chance an, auf diese neue Weise des In-Kontakt-Seins-miteinader zu beginnen, zu versuchen. Sie müssen hierfür weder Profi noch Experte werden. Meist fängt es simpel damit an, ECHT zu fragen:

"Wie geht es Ihnen?" und dann auch wirklich zuhören zu mögen. Seien Sie uns willkommen, eine Sache zu klären, einen Fehler zu beheben, einer Pflicht nachzukommen. Verlassen Sie sich gerne auf uns und vertrauen Sie uns - wir arbeiten mit höchster Zuverlässigkeit und ernten seit Jahren viel Vertrauen. Aber als Ignorant, als Dümpel und Dummschwätzer bleiben Sie lieber weg, ansonsten wir Ihnen direkt oder noch direkter mitteilen, unseren Hof zu verlassen. Wir lassen uns weder noch abwerten noch in unangebrachte Vorverurteilungen stellen. Das Zauberwort lautet:

Auf Augenhöhe!

Daher an alle, die nicht zu selten - viel mehr als wir - von sogenannter "Partnerschaft" reden: Wir werden Partnerschaft auf keinem anderen Level verstehen noch möglich machen, als auf einer möglichst hoch engagierten Haltung, die fürs Miteinander beider Seiten eine stete Offenheit, Bewusstheit, Achtsamkeit und Bereitschaft anbietet - und ob Sie das wirklich tun, das beurteilen Sie sich nicht selber, das beurteilen wir mit unserer Wahrnehmung. Es ist also an Ihnen, Ihr Glück mit uns zu schmieden.

Wir sind hier nicht Unternehmerin und Investorin, Coach und Dozent, um die eigenen Entwicklungen und Stärken für veraltete Herangehensweisen von mittlerem Management zu verleumden. Wir sind hier. Wenn Sie auf alte Art und Weise meinen hier einlaufen zu können, müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass wir uns von Ihrer Stelle wegentwickelt haben und uns daher ein Gespräch oder weiterer Kontakt nicht mehr möglich ist - ausser, Sie zögen nach.

Eine Entwicklung bzw. Veränderung stellt eine Konsequenz dar.

Eine Konsequenz ist für uns eine Ernsthaftigkeit.

Wir danken ganz besonders all jenen Kontakten, mit denen es sich schön ergeben hat und die Stunden der Arbeit und der Freundschaft lebenswert sind. Dass ich hier besonders fremde 'Kapitäne und Hasardeute der Geschäftswelt' ins Visier nehme, kommt aber nicht von ungefähr.

Wichtig bei dem Beitrag ist mir aber noch: Wer von euch seinen Wandel und Entwicklung angeht oder angegangen ist, also auf dem Weg ist, dem sei vielleicht ein Beispiel gegeben, dass eine veränderte Haltung, eine persönliche Entwicklung es in sich birgt, Menschen zu gewinnen und Menschen konsequent zu distanzieren, ob es sich noch ergibt oder halt dann verloren geht, das alte Verhältnis. Bleiben Sie dabei nicht "anerzogen nett oder höflich", ansonsten Sie sich selber untergraben und damit den Wert Ihrer Bemühungen und guten Gefühle verschüttet würden. Kämpfen Sie ruhig für Ihren gewonnenen Raum und für die lebenswerte Qualtität von Leben, die neuen Horizonte.

Herzlich ermutigend ...

Jona Jakob
Geschäftsführer humanness Frankfurt

Ich habe noch zwei Nachträge:

1 - Auch wenn Sie meinen, Sie hätten schon verstanden, was 'Wertschätzung' oder eine 'wertschätzende Haltung' ist, dann bedeutet das noch längst nicht, dass Sie selber davon etwas an den Tag legen würden. Prüfen Sie sich, denn ohne Wertschätzung kriegen Sie von uns nichts.

2 - Und bloss weil viele andere Menschen und Positionen noch im altanerzogenen Modus der "Höflichkeit und des Anstandes" sich Ihnen gegenüber harmonisch moderat zeigen, bedeutet das ebenfalls nicht, dass Sie ein gute oder ein partnerschaftliches Verhältnis hätten. Meist ist es eben ein unterstelltes Verhältnis, das auf der Konditionierung des Top-Down läuft, also Eltern-Kind, oder Top-Manager-Mitarbeiter oder Zentrale-Dezentrale. Man meint sich Oben - da schon fallen Sie bei uns aus dem System. Wertschätzung ist die anzubietende Haltung, sonst verwundern Sie sich nicht, dass Sie es zu verantworten haben, wenn Sie es mit uns nicht können.

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