Sonntag, 4. Juni 2017

'Jeder Mensch trägt die Unendlichkeit in sich.' - Noam Chomsky in Philomag 03/2017

Zu Pfingsten lese ich:

'Jeder Mensch trägt die Unendlichkeit in sich.'


Das definiert Noam Chomsky. 'Wären wir ganz und gar formbar und hätten nicht feste Grundlagen der Natur, hätten wir auch nicht die Kraft, politischen, medialen und geistigen Mächten zu widerstehen - und uns auf das Wesentliche zu konzentrieren: unsere von klaren Regeln fundierte Freiheit.' 


Chomsky erzählt aus seiner Kindheit: 

NCh: Mein Onkel hatte einen Zeitungskiosk.

Philosophie Magazin: Und dieser Zeitungskiosk war sozusagen Ihre erste Universität?

NCh: Ja, in diesem Milieu erhielt ich meine politische Bildung. In den 1930er-Jahren herrschte eine ganz andere Atmosphäre als heute.  Objektiv war es schlimmer - es gab viel Armut und Leid -, aber psychisch war es eine Zeit voller Optimismus und Hoffnung. Alle Blicke richteten sich auf die Zukunft.

Ich habe mich dabei gefragt, was heute für eine Atmosphäre ist. Natürlich kann man fast immer behaupten, dass Angst oder Ängste die Zeit bestimmen, wegen all der Probleme, die anliegen. Aber ich persönlich bin eher dem Gedanken nachgegangen, wir hätten eben nicht wirklich Probleme und auch wenig Streben nach der Zukunft - wir wären wie für einen Moment unbewusst angekommen - und würden genau darum so sehr reagieren, wenn unser Friede gestört werde. Wir hätten eine Atmosphäre, in der man sich nicht zu sehr zu fürchten bräuchte -, wir möchten aber gerade daher nicht darin gestört werden. Wir regen uns allenfalls mehr (künstlich) auf, als dass wir klagen. (JJ)

[...]

Gedanke von Noam Chomsky:

Jeder Sprechende, Sie und ich, hat ein begrenztes System von Regeln verinnerlicht, mit dem er Sätze bilden kann. Aber mit dem begrenzten System lässt sich eine unbegrenzte Zahl von Bedeutungen ausdrücken. Das ist der Kern von Sprache und macht sie zu einer einzigartigen und spezifischen Eigenschaft des Menschen. - Hier liegt der Ursprung aller Kreativität, zu der wir imstande sind, ein konkreter Ausdruck unseres Menschseins.

Noam Chomsky: 'Sprache ist nicht zum Kommunizieren gemacht'


Das sind alles Schälchen. / Bild: (c) bei Jona Jakob, privat.

Philosophie Magazin: Der Gedanke, dass Sprache zunächst ein inneres Phänomen ist, hat Sie zu der These geführt, dass Sie nicht oder nur sehr ungenügend der Kommunikation dient. 

NCh: Wir gebrauchen die Sprache ständig zum Kommunizieren, aber dafür ist sie nicht geschaffen. Ihre Struktur ist so angelegt, dass sie die Voraussetzungen einer effizienten Kombination erfüllt, einer sinnhaften Anordnung von Elementen, aber die Voraussetzungen einer effizienten Kommunikation ignoriert sie. 

Es besteht somit ein Konflikt zwischen der Funktion, 
  1. einen Gedanken auszudrücken 
  2. und ihn zu kommunizieren. 
  3. Und angeblich wird jedesmal die zweite Funktion nicht wirklich wahrgenommen. 
Dies wiederum - und hier der kaum erkennbare gedankliche Hinweis - läge daran, dass Sprache ein System von Regeln ist, das der Geist FREI verwendet.

Das führt zu Lücken und Fehlinterpretationen, welche die zweite Funktion, nämlich zu kommunizieren, beeinträchtigen. Aber genau das hat (gute) Gründe, die der Sprache immanent sind. 

NCh: Das innnere kombinatorische System, das mir die Bildung des Satzes ermöglicht, macht ihn zugleich für meinen Gesprächspartner mehrdeutig. 

Im Logo von humanness schliessen sich die Ringe nicht - dazwischen liegt frei die Freiheit. 

Es handele sich dabei um einen notwendigen Zusammenhang. Chomsky sagt, es gäbe kein Kreativität ohne den Bestand eines regulierenden Systems. Versinnbildlich sagt er, Sie können ein solches oder ein ganz anderes Bild malen - aber immer werden Sie einen Rahmen brauchen. 

Wenn ich das lese, dann beschreibe ich Chomskys Gedanken einmal so: Es ist wie mit der Herstellung, sagen wir mal von einem flüssigen Getränk. Als 'System von Regeln' oder als Korsage brauchen wir für den noch kreativen Herstellprozess, aus Wasser, Aroma und Zucker ein Getränk herzustellen, das nach unseren eigenen Vorstellung so und so schmeckt. eine Verpackung. Zum Beispiel eine Flasche und eine Harasse und Paletten. Unser Gegenüber, hier sind es Kunden, "meinen zu verstehen", sie interpretieren unser Getränk - wie es ihnen im Mund dann schmeckt lässt eben nicht wie stets formuliert "nicht-viel-Raum-für" Interpretation und Spekulation offen, sonder eröffnet ihn erst / gerade. 

Diese Auslegung Chomskys Gedanken sind erneut MEINE Worte - es sind nicht seine. Und in allen drei Elementen, seinen Gedanken, dem Nichts dazwischen, und meinen Gedanken liegt überall etwas Freiheit. 

Was kann man damit anfangen?

  • Sie müssten nicht weiter hören, was Ihnen Ihre Eltern sagen
  • Sie müssten nicht weiter übernehmen, was Vorgesetzte meinen zu sagen
  • Sie müssten nicht übernehmen, was uns Trump aktuell alles gesagt haben soll
  • Sie müssten auch nicht alles übernehmen, was in Ihnen spricht
Sie könnten sich, da die Freiheit hierfür angelegt ist, wofür anderes entscheiden und mit eigenen Worten Ihre Gedanken fassen. 






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