Freitag, 23. Februar 2018

Selbstmanagement: Wo liegt der Krisenzeitpunkt "auf den letzten Zacken"?

Thema:
Leben - Selbstmanagement - Krisen
Die Betrachtungsweise kann auch im Studium oder bei der Arbeit genutzt werden.
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Es gibt ein Phaenomen, welches ich selber zu überwinden vermochte - und so kommt es, dass ich heute hin und her gerissen bin, wenn ich meine, jemand anderes verbleibt in seiner Situation.

Was meine ich? Nehmen wir an, jemand merkt, dass er/sie im Leben auf eine problemhafte Zeit zusteuert: Jobverlust / Kündigung / Arbeitslosengeld läuft ab / Ehe wird brüchig / Scheidung droht / Auto sollte in Service oder gar Reparatur / Zahlungen werden fällig / Steuern sind nicht gemacht oder werden gefordert / etc.

Nehmen wir an, die Problemzeit beginnt auf einer Skala bei 0 oder 1 und würde mit dem Super-GAU (grösst anzunehmender Schaden, ob materiell, substanziell oder psychisch-mental) bei 10 Punkten ausschlagen, dann erlebe ich Menschen, die getrost auf diesen Level-10-Status zuschliddern, als sässe das Kaninchen vor der Schlange und sei hypnotisiert.

"Auf den letzten Zacken" seine eigenen Probleme zu regeln, liegt idealerweise bei Punkt 5, maximal bei Punkt 6. Nicht bei 10. Ab Überschreitung des Zeitpunktes von Level 6 fangen Kollateralschäden an zu wirken, bei 10 geht man in die Privatinsolvenz, ist der Ehepartner weg, das Haus gepfändet, etc.

Wenn man also eine Krise bewältigen muss, ist nicht "noch Zeit" - sondern bei etwa der Halbzeit davon muss die Änderung vollzogen oder am tun sein. Dort muss gehandelt werden, nicht später.

Und ja, weil bei Level 5 immer noch alles nach guter, alter, eigener Höhle aussieht und wirkt, fühlt man sich geschützt. Aber dem ist nicht so. Diese Schutzgefühle sind täuschend. Nichts ist geregelt, nichts ist aufgefangen, nichts ist neu vereinbart - die Krisenspirale fängt an zu drehen, als stünde man auf einer so grossen Eisscholle und merkte nicht, dass sie sich längst vom Festeis gelöst hat.


Was lässt jemanden hadern?

Das Eigene.

Mir als Coachender ist egal, was genau in Ihnen hadert und Sie blockiert. Aber es liegt niemals in den Umständen. Es liegt nur in Ihnen. Und wenn Sie zum Zeitpunkt bei Level 3-5 nicht von selber in die Gänge kommen, wo Sie noch für redliche Vereinbarungen innerlich in Ordnung sind, dann rufen Sie jemanden an und sagen Sie deutlich und entschieden: "HOL MICH SOFORT AUS DEM SUMPFLOCH RAUS, IN WELCHEM ICH BIS ZUM BAUCH STECKE!"



Hinweis I:
Es ist nicht das Problem / die Sache, welche einen hindert, zu handeln. Es sind die eigenen Wirren der Gefühle. Das kann man alleine kaum gut lösen.


Hinweis II:
Im "Sumpf der Probleme" stecken, damit ist nicht gemeint, dass die Umstände unlösbar wären - mit "Sumpf" ist das eigene Gefühlschaos gemeint. Im Beratungsgespräch werden diese Knoten gelöst und auch irgendwie "lastenmässig" geteilt. Erste Entscheide für Handlungsschritte werden gemeinsam entschieden. Das hilft.


Wenn Sie das nicht tun, dann sind Sie eher bei Krisenlevel 7-10, als es Ihnen lieb ist. Weil das erste, was andere Menschen in sich selbe wahrnehmen ist Gefahr. Und Sie sind dann eine Gefahr - auch für andere. Man getraut sich nicht so schnell, jemandem aus einem Sumpfloch zu helfen, wenn der über die Schultern drin steckt. Soll ich ihn am Kiefer fassen und rausziehen? Zieht er nicht mich selber mit rein? Das will niemand.

Handeln - was angesagt wäre, ist das Verlassen der schon schädlichen Komfort- und Verdrängungszone. Niemand kann Sie retten - nur Sie selber. Aber wenn Sie nichts sagen, warten die, deren Geschäftsmodell darauf basiert, Sie wegzuräumen: der Bestatter, der Zahnarzt, der Arzt, der Scheidungsanwalt, die Behörden des Finanzamtes, Kläger, etc. etc.

Das Problem ist spätestens zum Zeitpunkt 5 von 10 zu lösen - nicht bei 10, da ist es zwar konkret noch Ihr Problem, und was für eines, aber Sie sind erst einmal weg.

Falls Sie bei der Betrachtung dennoch nicht spüren, was Sie sich wert sind, dann versuchen Sie zu spüren, was Ihnen Ihre Nächsten wert sind, die wegen "Solidarischem" mitleiden. Spüren Sie da auch nichts, gehen Sie wegen Depression sofort zum Arzt. Bessere Laune hilft dabei, das Eigene anzupacken.

Und noch etwas: Es gibt keine Ausreden - es gibt auch keine Entschuldigungen.

Was es tolerierbar gibt: Umstände und Handeln. Da packt es sich an den Ohren.

"Auf Fünf! - Nicht später."



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